Einsatzfahrzeuge in der Schweiz
 Einsatzfahrzeuge in der Schweiz

Ölwehrfahrzeug ÖWF der Kantonspolizei Thurgau, als Teil des Kantonalen Ölwehrstützpunktes am Seepolizei-Stützpunkt Kreuzlingen stationiert

 

Fahrgestell: Mercedes-Benz 3335 8x4/4 (NG '85)
Aufbau: Rampf-Faba / NeoVac
Baujahr: 1989

Technische Daten:
Antrieb: Straßenantrieb, 8x4
Getriebe: Schaltgetriebe

Beladung/ Ausstattung:

  • Schleuderketten
  • Rückfahrkamera
  • 4-fach Senkrecht-Abstützung
  • Stromerzeuger
  • Lichtmast Geroh mit 4 Strahlern à 1.000 W
  • Gefahrgutpumpe, Leistung: 5,5 kW
  • Ölseparator
  • Ölaufnahmesystem Mopmatic
  • Heizung im Geräteraum
  • Werkzeugkasten
  • Warnzelte
  • ABC-Pulverfeuerlöscher

Richtige Feuerwehrfahrzeuge im Polizeidienst sind eine absolute Seltenheit. Am ehesten trifft man sie in Form von Löschfahrzeugen bei den Hubschraubereinheiten von Polizeibehörden an. Ansonsten gibt es höchstens optisch ähnliche Fahrzeuge in Form spezieller Gerätewagen zum Transport einer technischen Ausrüstung für Polizeieinsätze. Was man eigentlich überhaupt nicht bei Polizeibehörden erwartet sind Gerätewagen für Gefahrgutunfälle. Ganz anders sieht das aber bei der Kantonspolizei Thurgau in der Schweiz aus, welche seit 1971 bei ihrer Seepolizei den Kantonalen Ölwehrstützpunkt stellt. Zum Schutz der Binnen- und Fließgewässer im Kanton, vor allem von Boden-, Untersee und Seerhein hält die Seepolizei eigene Feuerwehrfahrzeuge und -anhänger vor, welche im Einsatzfall auch durch Polizisten besetzt werden.
Im Jahr 1989 erhielt die Seepolizei für den Ölwehrstützpunkt gleich zwei Ölwehrfahrzeuge. Beides sind letztlich reinrassige Feuerwehrfahrzeuge, jedoch nicht in der gewohnten roten Farbgebung, sondern mit einer auffälligen hellblauen Lackierung. Viel gemeinsam haben die beiden Ölwehrfahrzeuge trotz identischer Bezeichnung jedoch nicht. Zwar sind beide hellblau lackiert und wurden auf Fahrgestellen von Mercedes-Benz aufgebaut, doch damit sind auch schon alle Gemeinsamkeiten aufgezählt. Das kleinere der beiden Ölwehrfahrzeuge wurde von Mowag auf einem Mercedes-Benz 1428 AF aufgebaut und ist gewissermaßen ein Gerätewagen mit einer umfangreichen Beladung für die Abwehr und Beseitigung von Umweltschäden auf Gewässern. Das zweite Ölwehrfahrzeug ist um ein Vielfaches größer und wurde von Rampf-Faba und NeoVac auf einem eindrucksvollen, vierachsigen Mercedes-Benz 3335 aufgebaut. An einen ISO-Container erinnert der enorm große Aufbau dieses Ölwehrfahrzeuges. In ihm verbirgt sich ein großer Ölseparator, wie man ihn sonst allenfalls in einer sehr viel kleineren Variante auf Anhängerfahrgestell kennt, und allen für seinen Betrieb notwendigen Aggregaten.
Die Aufgabenverteilung zwischen den beiden Ölwehrfahrzeugen ist offensichtlich: Das eine Fahrzeug übernimmt stationär an der Einsatzstelle die Reinigung des Wassers und trennt Schadstoffe und Wasser voneinander. Das zweite Fahrzeug bringt die nötige Ausrüstung mit, um eine weitere Ausbreitung der Schadstoffe zu verhindern und das verunreinigte Wasser dem Ölseparator zuzuführen. Ergänzt werden die beiden Ölwehrfahrzeuge durch eine Reihe von Anhängern mit Saugschläuchen für den Ölseparator und Ölsperren.

Bei dem eindeutig größeren der beiden Ölwehrfahrzeuge der Seepolizei Thurgau handelt es sich um einen großen Separator, mit dem Wasser von ölartigen Verunreinigungen getrennt werden kann. Es wurde 1989 von Rampf-Faba zusammen mit NeoVac auf einem imposanten Mercedes-Benz 3335 8x4 aus der Schweren Klasse SK88 auf. Das erste Achsenpaar des großen Vierachsers ist gelenkt, die hinteren beiden Achsen dafür angetrieben. Beim Anfahren im Winter helfen dem Fahrer des 33-Tonners Schleuderketten an der dritten Achse und beim Rangieren eine Rückfahrkamera am Heck.

Genauso auffällig wie das vierachsige Mercedes-Fahrgestell ist auch der wuchtige, an einen ISO-Container erinnernde, Aufbau den es trägt. Wie die serienmäßige Kabine des Mercedes ist auch der große Aufbau hellblaulackiert. Er fällt nicht nur durch seine große Höhe, sondern auch durch seinen bemerkenswerten hinteren Überhang auf. Schier endlos wirkt der Aufbau auf dem Vierachser mit ohnehin schon langem Radstand. Damit das Fahrzeug im Einsatz fest und sicher steht und nicht schwankt, was bei der großen Aufbauhöhe sogar sehr wahrscheinlich ist, verfügt der Aufbau über eine vierfache Senkrechtabstützung. Jeweils hinter dem ersten und dem zweiten Achsenpaar befindet sich ein paar hydraulischer Stützen. Bei den Stützen handelt es sich eigentlich zunächst nur um Hydraulikzylinder, an denen vor dem Abstützen noch große Fußplatten angebracht werden müssen. Praktischerweise wird neben jeder Stütze direkt auch eine der sperrigen Fußplatten mitgeführt. Für Einsätze bei Nacht ist links an der Aufbauvorderseite ein Lichtmast von Geroh montiert. Durch die ungünstig hohe Montage des Mastes ist zwischen Kabine und Aufbau eine kleine Plattform mit einem zusätzlichen Fußtritt zwischen erster und zweiter Achse eingebaut. Von der Plattform aus lässt sich der Mast bequem aus- und wieder einkurbeln. Bestückt ist der Lichtmast mit vier Halogenstrahlern die so angeordnet sind, dass sie das Fahrzeug selbst und seine Umgebung fast komplett ausleuchten können. Für die Energieversorgung des Mastes sowie auch der Separatoranlage sorgt ein vom Fahrzeugmotor angetriebener Stromerzeuger.
Grundsätzlich besteht der Aufbau aus zwei unterschiedlichen Elementen. Das größere Aufbauelement ist der containerartige Teil in dem ein Ölseparator von NeoVac eingebaut ist. An dieses schließt sich im Heck ein deutlich kleineres Aufbauelement mit drei Geräteräumen an. In diesem sind die nötigen Aggregate und Bedieneinrichtungen für den Ölseparator eingebaut. Das Aufbauelement das die Separatoranlage beherbergt ist nach oben hin offen und verfügt aus Stabilitätsgründen über gerippte Seitenwände, was dem Aufbau sein containerartiges Aussehen verleiht. In dem wuchtigen Aufbauelement befinden sich die verschiedenen Behälter und Installationen, inklusive eines Aktivkohlefilters, mit der der Separator von NeoVac Wasser von ölartigen Verunreinigungen trennen kann. Unter dem Aufbau befinden sich auf jeder Seite jeweils drei Ventile über die die einzelnen Kammern des Separators Befüllt und Entleert werden können. Überwacht werden kann der Betrieb der Separatoranlage im ansonsten rundum geschlossenen Aufbau nur vom offenen Dach aus. Den größten Teil der Dachfläche bedecken deshalb Gitterroste, durch die auf die Anlagenteile darunter hinabgeblickt werden kann. Nur der hinterste Teil des Daches ist gänzlich offen und nur über einen schmalen Steg begehbar. Links und rechts lassen sich auf dem Dach lange Geländer als Absturzsicherung aufklappen. An den schmalen Seiten müssen Ketten gespannt werden. Erreicht werden kann das Dach über eine rechts vorne am Aufbau angebrachte Leiter. Die Leiter führt auf eine kleine Plattform zwischen Aufbau und Kabine, von wo aus die Geländer aufgeklappt werden können und das Dach schließlich auch betreten werden kann.
Der hintere Aufbauteil mit seinen drei Geräteräumen wirkt fast wie ein kleiner Rucksack hinter dem Containerelement mit dem Separator. In diesem Element gibt es nach links und rechts zwei Geräteräume mit Rollladen als Verschluss sowie einen das ganze Heck einnehmenden Geräteraum, der durch eine zweiteilige Klappe verschlossen wird. Im Heckgeräteraum befindet sich das Gros der Bedieneinheiten für die Separatoranlage. Der untere Teil der Heckklappe dient als Podest für die den Separator bedienenden Personen und kann über eine von Hand einzuhängende Leiter erreicht werden. Der obere Teil der Klappe dient wiederum als Schutz vor der Witterung. Während der Geräteraum G1 nur als weiterer Zugang zur Pumpenanlage des Fahrzeuges dient, befinden sich im Geräteraum G2 die Bedieneinheiten für die Fahrzeugabstützung und den Stromerzeuger.

 

 

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